Lieferantenmanagement

Supplier Relationship Management (SRM)

4.1 Auswirkungen der Lieferantenzufriedenheit auf das Beschaffungsunternehmen

Herrscht beim Lieferanten Zufriedenheit mit der geschäftlichen Beziehung, so besteht die Möglichkeit, dass sich zwischen Anbieter und Nachfrager ein wirkliches Vertrauensverhältnis aufbauen kann und dass somit das Nachfrageunternehmen zum „Preferred Customer“, also zum bevorzugten Kunden des Lieferanten, aufsteigen kann. Dies kann für das Beschaffungsunternehmen zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Markt führen.[19]

Durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Lieferant und Abnehmer können teilweise erhebliche Einsparungen bei der Herstellung der zu liefernden Produkte erzielt werden. Handelt es sich bei der Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Unternehmen nun um eine vertrauensvolle Beziehung, so werden Lieferant und Abnehmer sich diese Einsparung gerecht aufteilen. Gerade für Abnehmerunternehmen, die eine niedrige Fertigungstiefe besitzen und somit auch nur eine geringe Wertschöpfung erzielen, ist das Senken der Einkaufskosten eine wichtiger Einflussfaktor, um die eigene Gewinnspanne zu erhöhen.[20]

Gleichzeitig kann das Unternehmen erhebliche Zeit beim Aushandeln von Verträgen einsparen, da es, wenn es im Lieferanten einen vertrauensvollen Partner sieht, nicht ständig damit rechnen muss, von diesem über den Tisch gezogen zu werden. Außerdem minimiert sich das Risiko des Verlustes des Lieferanten, und somit entfällt eine oft kostspielige oder zumindest zeitintensive Suche eines neuen Lieferanten. Diese eingesparte Zeit kann nun in andere strategisch wichtige Projekte investiert werden.[21]

Sollte der Lieferant auch direkte Konkurrenten beliefern, so besteht die Möglichkeit, als Preferred Customer günstigere Lieferkonditionen zu erhalten und somit Vorteile beim Einkauf gegenüber den Wettbewerbern zu erzielen.

Weiterhin können durch einen besseren Informationsfluss innerhalb der Geschäftsbeziehung auch bessere Entscheidungen bezüglich Investitionen und Produktionsplanung erfolgen, was wiederum Kosten reduziert. Besteht ein Vertrauensverhältnis und kann sich das Beschaffungsunternehmen auf seinen Lieferanten verlassen, so können Pufferzeiten bei Lieferungen entfallen, die man sonst bei unsicheren Lieferanten eventuell einplanen müsste, und man kann Lagerkosten einsparen. Auch kann man als Preferred Customer bei Produktionsengpässen des Lieferanten schon mal bevorzugt behandelt werden und Lieferungen früher als die Konkurrenz erhalten. Zwar ist ein konkreter Zusammenhang zwischen Lieferantenzufriedenheit und Lieferantenleistung noch nicht empirisch nachgewiesen[22], doch es erscheint durchaus plausibel, dass zufriedene Lieferanten auch in der Lage sind, eine höhere Leistung zu erbringen und damit Liefertreue und Qualität zu steigern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass durch zufriedene Lieferanten sich auch das Image des Beschaffungsunternehmens verbessern kann.[23] Dies gilt zum einen für das Ansehen bei potentiellen anderen Lieferanten, die aufgrund der guten Erfahrungen des zufriedenen Lieferanten auch gerne an einer Kooperation interessiert sein können, aber zum anderen auch für das Ansehen beim Kunden. Immer wieder gehen Berichte durch die Presse, dass beispielsweise bestimmte Unternehmen ihre Lieferanten wie eine reife Zitrone ausquetschen. Dies wirft auch ein schlechtes Licht auf das Beschaffungsunternehmen und kann so die Attraktivität der eigenen Produkte schmälern.

[19] Vgl.: Trent, Robert J., a. a. O., S. 55 ff.

[20] Vgl.:Bhote, Keki R.: Strategic Supply Management, New York, 1989, S. 313 ff.

[21] Vgl.: Woods, Patrick S.: Have You Hugged Your Supplier Today? The Benefits As A Preferred Customer, Institute for Supply Management, 85th Annual International Conference Proceedings 2000,

[22] Vgl.: Eßig, Michael: Demand Creation Konzepte in der Supply Chain, in: Controlling, 2004, 11, S. 613-619, S. 618.

[23] Vgl.: Woods, Patrick S., a. a. O.
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