Lieferantenmanagement

Supplier Relationship Management (SRM)

3.2 Dimensionen der Lieferantenzufriedenheit

Das Festlegen der Dimensionen der Lieferantenzufriedenheit ist einer der entscheidenden Schritte bei der Bestimmung der Lieferantenzufriedenheit über eine Umfrage. Nur wenn die Dimensionen und damit die Fragestellungen richtig gewählt sind, kann die Umfrage reliabel und valide sein.

Betrachtet man die vorherigen Ausführungen zur Definition von Zufriedenheit, so müssten die Dimensionen mit den Erwartungen des Lieferanten im Einklang sein. Maunu legte in ihrer Dissertation auch in etwa diese Erwartungen als Dimensionen fest. Sie unterscheidet zum einen die ökonomischen Faktoren, die aus der Rentabilität der Beziehung, aus dem frühzeitigen Einbeziehen der Lieferanten in den Entwicklungsprozess, aus der Kontinuität in der geschäftlichen Beziehung und aus der Planungssicherheit bestehen, und zum anderen die kommunikativen Faktoren, zu denen Offenheit und Vertrauen, das Geben von Feedback und auch Unternehmenswerte und die Unternehmenskultur zählen. Basierend auf diesen Einflussfaktoren entwickelte Maunu einen Fragebogen. Eine Überprüfung bezüglich der Validität dieser hypothetischen Einflussfaktoren fand allerdings nicht statt.

Gawantka knüpfte daran an und erstellte ebenfalls ein Fragebogenmodell, versuchte aber zusätzlich noch über eine empirische Untersuchung bei Automobilzulieferern sein Fragebogenmodell zu validieren. Durch eine explizite Befragung von insgesamt 86 Unternehmen und der anschließenden statistischen Auswertung konnte er bestimmen, welche seiner zuvor festgelegten theoriefundierten Faktoren einen wirklichen Einfluss auf die Anbieterzufriedenheit besitzen. Als Ergebnis ergab sich, dass nur vier signifikante Determinanten identifiziert werden konnten, die direkten Einfluss auf die Anbieterzufriedenheit besitzen und zwar:



* die Interaktionsbereitschaft, also ob das abnehmende Unternehmen auch bereit ist, mit dem Lieferanten regelmäßig und formlos zu interagieren und auch sensible Themen zu besprechen,
* die Verteilungsgerechtigkeit, also ob Nutzen und Anstrengungen gleichermaßen verteilt sind,
* die Flexibilität, also ob der Kunde bei unerwarteten Situationen auch flexibel reagieren kann und sich von Abmachungen loslösen kann, sowie
* die Abhängigkeit vom Kunden.



Gerade bei dem letzten Faktor scheint dies zu überraschen, da man im Allgemeinen davon ausgehen könnte, dass Lieferanten eine Abhängigkeit eher so weit wie möglich reduzieren möchten. Dieser Einflussfaktor kann aber so erklärt werden, dass eine Abhängigkeit in der Regel dann besteht, wenn auch die Geschäftsbeziehung bereits lange andauert. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich eine Vertrauensbasis zwischen den Geschäftspartnern aufbauen kann und auch der gemeinsame Nutzen immer deutlicher zu Tage kommt. Vor diesem Hintergrund sollte also ein Nachfrager schon bei Beginn der Beziehung deutlich machen, dass er an einer längerfristigen Bindung durchaus interessiert ist.

Aus der Auswertung seiner Studie konnte Gawantka auch die Gewichtungsfaktoren der jeweiligen Dimensionen bestimmen, womit letztendlich ein Scoring-Modell erstellt werden kann.[15]



Wie man an dem Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema erkennen kann, besteht aber gerade bei dem Punkt der Bestimmung der relevanten Dimensionen noch erheblicher Forschungsbedarf. Als Anhaltspunkt für die Erstellung eines Fragebogens können die erwähnten Studien aber durchaus verwendet werden. Letztendlich müssen Unternehmen aber einen auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Fragebogen selbst entwickeln.

[15] Vgl.: Gawantka, Axel, a. a. O., S. 198.
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